Generatives Gestalten

„Generative Gestaltung bedeutet für mich, mit Hilfe von kühlen, stringenten und logischen Algorithmen, neue visuelle, phantastische und übergreifende Welten entstehen zu lassen.“

Anja Schwarzer

Nachdem ich bereits am Ende meines ersten Semesters bei Cross Media die Ergebnisse des Projektes Generatives Gestalten gesehen habe, war ich restlos begeistert. Auch wenn ich schon immer ein gewissen Grundwissen und Grundinteresse am Coden hatte, konnte ich mir doch nicht vorstellen, dass auch ich etwas so beeindruckendes innerhalb eines Semesters schaffen werden – zum Glück habe ich mich geirrt.

Ohne viel vorweg zu nehmen, war dieses Projekt das bis dato komplexeste von allen. Ein neues Programm plus Sprache (Processing – speziell für die Anwendung im künstlerischen oder gestalterischen Kontext entwickelt) zu lernen war sehr aufwendig und schon nach sehr kurzer Zeit entsteht Frust, weil die Fähigkeiten noch nicht ausreichten um bestimmte Ergebnisse zu erzeugen. Damit muss man umgehen lernen.

Generatives Gestalten nutzt die Kraft der Algorithmen, um Visualisierungen zu erzeugen, die auf Daten oder Interaktionen reagieren und deren Ergebnis keineswegs vorhersehbar ist.

Nach einer Einführung ins Coding mit Processing starteten wir mit grafischen Experimenten, inkl. noch einfacherer Komplexität ( Schleifenkonstruktionen, Trigonometrie, Interaktion). Diese Kenntnisse waren dann die Basis für Dekonstruktionen verschiedener Medienformen: Texte, Videos, Bilder.

Um das Projekt abzuschliessen sollten wir ein Tool entwerfen um Medien zu dekonstruieren.

Ursprünglich hatte ich die Idee Anfangs- und Endszenen einiger Filme zu dekonstruieren. Ich wollte mit Hilfe eines Durchschnittswertes (z.B. der Helligkeit der Pixel einer Zeile) einen Text ausgeben lassen. Leider konnte ich mir das Ergebnis nicht anders als Buchstabensalat vorstellen – hier habe ich im Nachhinein vielleicht etwas zu früh aufgegeben, da ich sehr auf das Ergebnis fokussiert war was vielleicht eine gute Idee verhindert hat.

Meine zweite und finale Idee wirkte da schon eher umsetzbar. Nachdem ich einen Artikel eines meiner Lieblingsregisseure, Hayao Miyazaki, in der Zeit gelesen hatte, lernte ich das der Name seines Studios Ghibli übersetzt Wüstenwind bedeutet. Ich wollte das Wortspiel mit einer Dekodierung zusammenbringen und damit etwas neues entstehen zu lassen. So kam ich auf die Idee Filmposter miteinander zu vergleichen, da ich die Idee reizend fand, aus etwas statischem etwas bewegtes zu machen. Die spielerischen Wirbel die ich mir dazu dachte passen zum Wind (Ghibli) aber auch zu den Fabelwesen die Miyazaki gern verwendet

Scribbles zur Idee „Malende Schlangen“

„Schlangen die mit Pixeln malen“ oder „Malende Schlangen“ war schlussendlich mein Projektergebnis, das mich viel Nerven und Zeit gekostet hat, aber auch sehr stolz machte.

Aus der Dekonstruktion eines statischen Pixelbild entsteht ein dynamisches, fast schon lebendiges neues Werk.
Ziel war es, mit Hilfe eines Kollateralproduktes (das Filmposter) einen neuen Blick auf die Werke des bekannten japanischen Regisseurs Hayao Miyazaki zu werfen.
Über Processing habe ich jeden einzelnen Pixel eines Bildes einlesen, verändern und wieder auf die Bühne schreiben lassen. Im Vorfeld programmierte „Schlangen“ nutzen die gewonnen Informationen und wirbeln davon angetrieben von einer Seite der Bühne zur anderen – Farbe und Position orientieren sich dabei an den HSB-Werten der originalen Pixel des Ursprungsbildes.
Die stetige Bewegung der „Schlangen“ sorgt für ein unwirkliches Flimmern und spiegelt die fabelhafte Welt der Studio Ghibli Filme wieder.

Über einen Controllerbereich werden Ausgangswert (Hue, Saturation oder Brightness) und Art der Animation eingestellt. Der Nutzer kann dann eigenständig entscheiden, ob er die Schlangen z.B. als Linien, Ellipsen, Punkte oder auch Ovale über die Bühne laufen lassen möchte und wie lange diese zu sehen (Transparenz) sind.

So ist es möglich, etwas Bekanntes mit Hilfe von Farben, Bewegungen, Licht und Animationen immer wieder zu verändern und neu entstehen zu lassen.

Der Sketch hat auch einen kompetitiven Charakter – es ist möglich, zwei Poster oder Bilder gleichzeitig einzulesen und die Dekonstruktion zu starten. Auf der Bühne bewegen sich die Animationen dann jeweils von rechts und links mit unterschiedlichen Ausgangswerten und lassen so stetig neue Varianten entstehen.

Neben der naheligenenden Kompetenz, die ich in diesem Projektkurs erworben habe – Processing – beende ich das Semester aber auch mit der Erkenntnis, dass ich mich nicht zu sehr auf das Ergebnis einer Arbeit versteifen sollte. Manchmal ist eben wirklich der Weg das Ziel (auch wenn man eine Note bekommt 🙂 )

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