Start-ups im Journalismus
von Dr. Christopher Buschow
veröffentlicht bei: heise online >> TELEPOLIS >> Kultur & Medien
(https://heise.de/-3897060)
Der vorliegende Artikel wurde Ende 2017 veröffentlicht und beschäftigt sich mit dem Thema Neugründungen im Journalismus.
Der Autor beschäftigt sich kritisch mit der Tatsache warum es, gerade in Deutschland, Startups in der Medienlandschaft besonders schwer haben. Anhand einer Studie die selbst erstellt hat benennt er sieben mögliche „Herausforderungen und Fallstricke“ die Gründern begegnen. Abschließend geht er auch auf fehlende Rahmenbedingungen und Hilfen (z.B. Mentoring) ein, die erfolgreiche Gründungen neben den folgenden Punkten erschweren.
Illusorische Vorstellungen von Tätigkeiten und Arbeitsaufwand
Bürokratie, Verwaltung, Strategie und Marketing für eine Firma sind nur ein paar der neuen Aufgaben, die sich Gründern stellen müssen, die in vielen Fällen vorher als Freelancer gearbeitet haben und diese Bereiche nur gestreift haben. Laut der Studie verhindern die gestiegenen administrativen Aufgaben die erwünschten neuen Freiräume und werden auch nach längerer Gründung immer wieder unterschätzt.
Rollenkonflikte
Der Autor sieht auch potentielle Doppelrollen der Mitarbeiter als problematisch bei Neugründungen. Teilnehmer der Studie zeigten demnach zwar eine gewissen Sensibilität hinsichtlich der Problematik scheitern aber nicht selten am Druck und den eigenen Ansprüchen.
Diesen Punkt beschäftigt mich, als Mitarbeiterin eines Medienunternehmens mit sehr unterschiedlichen Rollen, mehr als erwartet. In unseren, wie auch vermutliche bei den meisten, sind Doppelrollen notwendig um die Firma am Laufen zu halten und die meisten Startups im Medienbereich werden kaum mehr Mitarbeiter haben als wir. Auch sehe ich dieses „Problem“ schon immer eher als positive Herausforderungen die meine Arbeit auch nach Jahren noch sehr abwechslungsreich macht.
Geschäftsmodelle abseits des Journalismus
Der Autor stellt in diesem Absatz eine sehr wichtige Frage, die meiner Meinung nach auch immer wieder parallel zu der Frage nach dem Preis von guten Journalismus gestellt werden muss, nämlich: „Warum aber soll in einem Unternehmen überhaupt journalistische Arbeit stattfinden, wenn doch Gewinne vor allem abseits dieser erzielt werden?“
Lukrative Geschäftsmodelle die direkt im Journalismus verortet sind , sind nicht nur in Deutschland sehr schwer zu finden. Viele Medienunternehmen überleben mit klassischen Methoden (z.B. Anzeigenverkauf) oder Modellen für die gute journalistische Arbeit nur am Rande notwendig ist. Das sorgt natürlich immer wieder für Konfliktsituationen zwischen journalistischen Ansprüchen und finanzieller Notwendigkeit..
Unzureichende Nutzerorientierung
Um erfolgreich am Markt bestehen zu können, ist es laut Buschow, von enormer Wichtigkeit das Unternehmen und die Produkte an den Bedürfnissen und Interessen der potentiellen Nutzern anzupassen. Dafür nötig sind vor allem ein agiles Management, also „journalistische Produkte jederzeit zu hinterfragen und ggf. einem veränderten Marktumfeld anzupassen“ und eine gewissen Unsicherheitstoleranz.
Unterfinanzierung
In diesem Absatz beschreibt der Autor etwas das für Startups im Medienbereich Fluch und Segen zugleich ist: die relativ finanziell günstige Einstiegshürde.
Ein Computer, Internet, Strom und eine WordPress Seite sind im Prinzip alles was die meisten zu Beginn benötigen. Das führt jedoch nicht nur zu den bereits beschriebenen Punkten sondern sorgt letztendlich für die bekannten atypischen Arbeitsverhältnisse in diesem Bereich da neue Aufgaben, wie z.B. Reichweitensteigerung, eben irgendwann nicht mehr von einer einzigen Person übernommen werden können. Das „kann dazu beitragen, dass Neugründungen, die sich der Prekarisierung ihres Berufsstandes eigentlich entgegenstemmen, die bekannten Kostenspartendenzen aus etablierten Verlagen fortschreiben und dadurch ebenjene Prekarisierung des Journalismus ‑ als nichtbeabsichtigte Folge ‑ sogar noch vorantreiben.“
Mangel an einschlägigen Kontakten und Beziehungen
Daran anknüpfend werden die meisten Neugründungen vermutlich gar nicht erst an diesen Punkt kommen oder sich weiterentwickeln wenn das nötige Sozialkapital (Beziehungen und Kontakte), um unternehmensinterne Aufgaben zu übernehmen, gar nicht vorhanden ist.
Homogene Gründerteams
Der Autor gibt zu Bedenken, dass Gründerteams in Deutschland immer noch sehr homogen sind, obwohl bewiesen ist, dass heterogene Teams erfolgreicher sind. Da vermutlich vor allem Kommilitonen und/oder Freunde gemeinsam gründen ist das nicht verwunderlich. Betriebswirte, IT-ler und Quereinsteiger können ein Team bereichern, aber eine Antwort wie diese bezahlt werden sollen bleibt der Autor leider schuldig.
Einschätzung der Seriosität der Quelle:
Dr. Christopher Buschow lehrt und forscht zu Unternehmertum in den Medien. Die erwähnte Studie ist Teil seiner Dissertation „Die Neuordnung des Journalismus: Eine Studie zur Gründung neuer Medienorganisationen“. Man kann also davon ausgehen, dass die Seriosität der Quelle sehr hoch ist. Auch die Veröffentlichung des Artikels bei heise online unterstütz dies.
Auch wenn ich im ersten Moment nicht mit allen Punkten übereinstimmen kann, gefällt mir vor allem der praxisorientierte Ansatz eines Artikels, der immerhin auf einer umfangreichen wissenschaftlichen Arbeit (Dissertation) basiert.
Kommentare
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